Onkologische Kinderstation

Max ist 28 und leidet seit drei Jahren unter Leukämie. In Anbetracht der eingeschränkten medizinischen Versorgung in Kasachstan ist seine einzige wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeit im über 5000 km entfernten Kaliningrad. Die Reisekosten samt medizinischer Behandlung kosten mehrere tausend Euro, für die seine Familie und gesamte Verwandtschaft verzweifelt spart. Auch wir können dazu beitragen und einen 4-stelligen Betrag übergeben, den wir für ihn in Deutschland gesammelt haben.

Besonders ernüchternd ist unser Besuch in der onkologischen Kinderklinik in Almaty, Südkasachstan, die gleichzeitig das „Kazakh Research Institute of Oncology and Radiology" darstellt. Wir werden vom Institutsleiter Bakhram Zhumadullayew persönlich empfangen, der sich über unseren Besuch und unsere Unterstützung sehr freut. Er hat ein relativ kleines Büro mit einer alten Besuchercouch, die jenseits sämtlicher Hygiene- bestimmungen einer Klinik ist. Das Haus hat offiziell 55 Betten (aktuell sind 70 Kinder in Behandlung) und dafür stehen insgesamt nur vier Ärzte zur Verfügung, die Kinder ab einem Monat bis 15 Jahre behandeln. Bei einer OP, die der Chefarzt durchführt, assistieren zwei weitere Ärzte, so dass in dieser Zeit nur ein Arzt für insgesamt 70 Patienten verfügbar ist. Eine Schwester muss 22 Kinder betreuen. Für diese Aufgabe muss man viel Idealismus mitbringen, da die Bezahlung äußerst schlecht ist: der Verdienst einer Oberschwester liegt bei 500$/Monat - bei durchschnittlichen Kosten für die Miete in Höhe von 250$/Monat bleibt nicht mehr viel zum Leben übrig.

Obwohl Kasachstan 17 Millionen Einwohner hat, ist es diese eine von nur zwei onkologischen Kinderkliniken im ganzen Land, einem Land, das 8x größer ist als Deutschland. Da hilft es nicht viel, dass die Behandlung auf Staatskosten erfolgt. Die Frage, wer sich die Anreise leisten kann, bleibt unbeantwortet im Raum stehen.

Nach dem Gespräch gibt es noch einen umfassenden Rundgang durch das mit viel Engagement geführte Haus. Die Wände in den Gängen sind liebevoll bemalt und erinnern an die kasachische Ausgabe von „Findet Nemo". Bereitwillig werden uns auch die Patientenzimmer gezeigt, die wenig Ähnlichkeit mit deutschen Krankenhauszimmern haben: auf den ‚normalen' Betten liegen die teilweise erschreckend kleinen Kinder, meist von einem Elternteil betreut. In manchen Zimmern liegen bis zu drei Patienten, ein Kühlschrank und eine Sitzgelegenheit zum Essen lassen die Räume eher wie eine günstige Jugendherberge wirken. Ab und an steht ein Infusionsständer am Bett. Die Flaschen müssen von den Eltern selbst getauscht werden, da nicht ausreichend Personal zur Verfügung steht.

Weder Argwohn noch Skepsis begleiten uns bei diesem Rundgang - im Gegenteil: wir dürfen gerne Fotos machen und auch mal das ein oder andere Kind zum Lachen bringen. Es ist ein sehr intensiver Moment, mehrmals muss ich kräftig schlucken und gegen feuchte Augen kämpfen, wenn ich an unseren 5-jährigen Sohn zu Hause denke. Drei Jungen begleiten uns, zwei davon ohne Haare, der andere mit einer ca. 10 cm langen Narbe am Kopf und spielen Versteck mit mir. Sie lachen, während ich mich zu einem Lächeln zwingen muss.

Natürlich spricht sich unser Besuch wie ein Lauffeuer herum und kurze Zeit später spricht uns eine verzweifelte Mutter an, ob wir ihr nicht mit den Transportkosten helfen können. Die wenigen Schwestern sind mit Herzblut bei der Sache, besonders die Oberschwester mit ihrer resoluten und doch lustigen Art heitert uns und auch die Kinder auf.

Unbedingt müssen gemeinsame Fotos gemacht werden und auch die Kinder, die auf dem Gang sind, werden für ein Gruppenfoto motiviert. Meine große Tasche mit Kinderkleidung findet hier sehr dankbare Abnehmer. Über den Rundbrief des Vereins starten wir nun eine Spendenaktion, um über unsere Kontaktperson vor Ort langfristig Hilfe leisten zu können. Darüber hinaus denken wir über einen neuen Hilfstransport nach.